Über das Projekt

 

ZU HAUSE IN PROHLIS ist ein Gemeinschafts-Kunst-Kulturprojekt vom Dresdner Societaetstheater  und dem Quartiersmanagement Prohlis, das neue Kooperationen am Stadtrand schafft und stadtgesellschaftlichen Zusammenhalt ermöglicht.

ZU HAUSE IN PROHLIS begann 2017 mit dem Ziel, durch kulturelle Aktivitäten im Dresdner Stadtteil Prohlis* dem allgemeinen Trend des Rückzugs ins Private entgegenzuwirken. Eine Zusammenarbeit zwischen Kultur, Stadtentwicklung, Sozialem Sektor und der Zivilgesellschaft, die weitaus mehr ermöglicht als „kostenlose Kultur für alle“ oder das Übertragen etablierter mittelschichtsorientierter Projektideen auf den Stadtteil Prohlis. Es geht um Neugier, Zuhören und sich Einlassen auf den spezifischen Ort. Denn die sogenannten „benachteiligten Stadtteile“ benötigen neue, andere Formen des kulturellen und sozialen Austausches.

Mit dem KIEZ, einem kostenfrei nutzbaren Ladengeschäft im Prohliser Einkaufszentrum, ist ein Ort der Möglichkeiten entstanden, der Projekte entstehen lässt oder auch bestehenden Angeboten Präsentationsmöglichkeiten bietet. Die kostenfreie Nutzungsmöglichkeit des Raumes für Workshops, Proben, Tanz, Kino, Ausstellung, Strick-, Bastel- und Spielnachmittage ließen neue Kooperationen zwischen Akteuren, die sich nie begegnen würden, entstehen. In ihm konnte sich MUSAIK, ein soziales und integratives Orchesterprojekt mit erstaunlicher Beteiligung im Stadtteil etablieren. APROPOS PROHLIS, ein Tischtheater, nutzte den Raum für intensives Zuhören im Stadtteil und viele Kontakte zur Bewohnerschaft. DER FLIEGENDE TEPPICH konnte von hier aus sein Erzählprojekt im
Stadtteil vorstellen und sich mit lokalen Einrichtungen vernetzen. Es gibt Ausstellungen, in denen sich Nachbarn erst kennenlernen, weil sie sich im Alltag kaum begegnen. Bewohner entwachsen ihrer Anonymität als Karikaturisten, Briefmarkenspezialisten, Künstler usw.
Der PROHLISER THEATERSOMMER im Zelt am Albert-Wolf-Platz machte aus unterschiedlichsten Bewohnern ein gemeinsames Publikum: Senioren, Kinder und Geflüchtete ebenso wie die Nutzer der Parkbank nebenan.

Durch die Zusammenarbeit von Societaetstheater und Quartiersmanagement ist ein ungewöhnlicher stadtgesellschaftlicher Austausch belebt worden: Das Vorhaben vermittelt neu und unkonventionell zwischen Zentrum und Peripherie, zwischen Verwaltung und Verwalteten, zwischen denen, die entscheiden und denen, deren Bedarfe vielleicht zu wenig angehört werden.

Zeit zum Zuhören ist neben dem rein inhaltlichen Ziel ein wesentlicher Bestandteil geworden, der auf beiden Seiten Vorurteile abbaut sowie Wertschätzung und Toleranz gegenüber den „Anderen“ schafft. Das Kennenlernen persönlicher Schicksale führt zu gegenseitigem Verständnis. Der Austausch schafft Möglichkeiten und Aufmerksamkeit für den Stadtteil, die Zusammenarbeit auf praktischer Ebene ändert vielleicht auch den Blickwinkel derjenigen, die Stadtteile wie Prohlis bisher nicht als Quelle sozialer und kultureller Vielfalt, sondern nur als Nicht-Ort wahrgenommen haben.

* Prohlis ist einer der Stadtteile, die durch ihre bauliche Struktur als Großwohnsiedlung am Stadtrand, ein Schlusslicht der Standortpolitik darstellen und zum Auffangbecken für Menschen werden, die nicht zu den Gewinnern der ökonomischen Prosperität gehören.